Der Anfang

 

Die Ursprünge der Heilpädagogisch-Therapeutischen Ambulanz gehen bis in die Jahre 1984/85 zurück. Zu der Zeit arbeitete Henning Köhler als leitender Heilpädagoge in der sozialpädiatrischen Station der Filderklinik in Filderstadt. Dort war ungeplant  aus den Forderungen des Stationsalltags heraus  ein Büro für Erziehungsberatung und ambulante heilpädagogische Nachsorge entstanden. Die Nachfrage war so groß, dass 1986 in einem Zimmer der Privatwohnung in Filderstadt-Bonlanden die Heilpädagogisch-Therapeutische Ambulanz offiziell ihren Betrieb aufnahm.

 

 

Das Janusz-Korczak-Institut

 

Im Sommer 1987 wurde mit der Eröffnung  der allgemeinärztlichen Praxis von Joachim Fischer in den neuen Räumen in der Hirschstraße in Wolfschlugen die Gründung des Janusz-Korczak-Institutes bekanntgegeben. Die besondere Betonung des Kindheitsthemas im direkten und übertragenen Sinne veranlasste uns, Janusz Korczak, den großen Pädagogen, Kinderarzt und Dichter, als Namenspatron zu wählen. Unser Wunsch war es, dass sich um die allgemeinärztlich-heilpädagogische Praxisgemeinschaft, nun eine freie Arbeitsgemeinschaft medizinischer, therapeutischer, sozialpflegerischer und beratender Dienste auf der Grundlage der anthroposophischen Menschenkunde  gruppiert.

 

 

Die Fragen

 

In dieser interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft beschäftigten uns schwerpunktmäßig folgende Fragen:

 

  • Wie kann der Brückenschlag zwischen Medizin und pädagogischen Entwicklungsphänomenologie im Lichte der anthroposophischen Menschenkunde für das heilpädagogische, kunsttherapeutische und ärztliche Handeln fruchtbar werden. Kann man z.B. Krankheitserschei- nungen (auch bei Erwachsenen) mit bestimmten kindlichen Entwicklungsschritten zusammenschauen (nach dem Motto: Krank ist nicht das, was geschieht, sondern dass es zum falschen biographischen Zeitpunkt geschieht) und daraus therapeutische Konsequenzen ziehen? Oder: Was haben sogenannte Verhaltensstörungen bei Kindern mit  grob- diagnostisch möglicherweise nicht auffindbaren Organprozessen zu tun?

  • Sind die bestehenden Auffassungen über den allgemeinen und ätiologischen Zusammenhang zwischen Leib, Seele und Geist (etwa in der psychosomatischen oder psychoneuroimmunologischen Forschung, aber auch in der Steiner-Exegese) ausreichend?

  • Werden die Zusammenhänge zwischen Kindheitsvergangenheit und späteren Krankheiten oder Krisen richtig beschrieben? Sind die kausalen Erklärungsmodelle unter Einbeziehung eines geistes-wissenschaftlich vertieften Individuationsbegriffs haltbar? Welches sind die medizinischen Aspekte der Biographiekunde und die biographiekundlichen Aspekte der Medizin?

  • Was heißt überhaupt "krank" und "gesund", z.B. in Anbetracht der vorausschauenden Bemerkungen Rudolf Steiners, man werde dieses Begriffspaar in Bälde auf den Kopf gestellt finden, so dass das Kranke als gesund gülte und umgekehrt? (In: Der Tod als Lebenswandlung, Dornach 1918)

  • Wer oder was "heilt" eigentlich im Heilprozess? Der Arzt/Therapeut? Das Medikament bzw. die quasi medikamentös verabreichte Übungstherapie? Der betroffene Mensch letztlich sich selbst? Oder dies alles zusammen? Wenn ja, welches Verhältnis besteht dann zwischen den verschiedenen zusammenwirkenden Heilfaktoren? Welche Rolle spielen dabei 1. das ominöse "innere Kind", 2. die vielbeschworene "Kreativität", 3. die Therapeut-Patient-Beziehung, 4. die persönliche Lebenslage des Patienten und die gesellschaftlichen Verhältnisse (soziale Frage als Gesundheitsfrage)?

 

 

Die Expansion

 

In den folgenden Jahren gliederten sich nach und nach folgende Bereiche an:

 

  • Heileurythmie

  • Lebensberatung für Erwachsene und Biographiearbeit

  • Kunsttherapie

  • Spatial Dynamic (Bothmer-Gymnastik u.a.)

  • Rhythmische und Pressl-Massage

  • Reflexzonentherapie am Fuß

  • Sprachgestaltung und Schauspiel in therapeutischer Anwendung

  • Therapeutische Zirkusarbeit

  • Integrative Ferienfreizeiten

  • Chirophonetik

  • Heilpädagogisches Reiten

Vorübergehend gab es eine integrative Kindergarten-Kleingruppe und das Projekt Interimsschule für vorübergehend nicht unterrichtbare Kinder und Jugendliche. Diese Idee wurde von Thomas Kinzler und Jochen Rebmann später wieder aufgegriffen und führte 1999 zur Gründung der Werkstattschule in Reutlingen (http://www.werkstattschule-ev.de).

 

 

Die Elternschule

 

Neben der therapeutischen Arbeit gewann die Lehrtätigkeit eine immer größere Bedeutung. In den ersten Jahren (von 1987 bis 1993) fanden jährlich die Medizinisch-Pädagogischen Fortbildungstage statt.

1994 gingen diese in die (ebenfalls jährlich stattfindenden) Fachtagungen "Heilpädagogik als ambulanter Dienst" (bis 2000) über und für die Elternschaft entstand die Elternschule (bis 1998). Nach einem Einführungswochenende fanden wöchentliche Vorträge zu bestimmten erziehungsrelevanten Themen aus Pädagogik, Medizin und Lebensberatung statt. 

 

 

Die Fortbildung

 

Die Nachfrage nach kontinuierlicher Arbeit für einen in pädagogischen, sozialen und therapeutischen Berufen stehenden Personenkreis wurde immer stärker. Auf Initiative des Freien Bildungswerks Rheinlands entstand 1999 der erste berufsbegleitende Ausbildungsgang für Integrative Aufgaben im Kindergarten in Köln statt. Im März 2001 war es in Nürtingen so weit, der erste Kurs (Pädagogischer Berater) konnte beginnen.

Zum Abschluss eines jeden Fortbildungskurses wünschten die Absolventen in Köln, wie auch in Nürtingen, die Fortsetzung der begonnenen Arbeit. Anfang 2007 ging dann an alle bisherigen Kursteilnehmer die Einladung zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft - die Geburtsstunde des "Studienkreis für Neue Pädagogik". Der pädagogisch-sozialtherapeutische Zukunftsimpuls, der durch die Fortbildungen übermittelt wurde, ist Grundlage dieser Arbeitsgemeinschaft.

 

Das Ende - Der Anfang

 

Viele Eltern und Kinder sind in dem alten Fachwerkhaus in Wolfschlugen mit ihren Sorgen und Nöten ein- und ausgegangen. Dem wurde am 30. Januar 2006 ein jähes Ende gesetzt. Die oberen Stockwerke des Hauses brannten völlig ab.

Durch eine Welle der Hilfsbereitschaft konnte die Arbeit mit nur geringfügigen Einschränkungen weitergehen. Die Rudolf-Steiner-Schule in Nürtingen stellte uns sofort ihre am Nachmittag freien Räume zur Verfügung. Neue Räumlichkeiten fanden sich durch die Vermittlung einer Mutter auch schnell.

 

 

Die für den Umbau und die Ausstattung der Räume notwendigen finanziellen Mittel konnten dank einer Bürgengemeinschaft beschafft werden. Von allen Seiten erhielten wir Unterstützung in Form von Geld- aber auch Sachspenden.

Von Ostern 2006 bis November 2012 hatte das Janusz-Korczak-Institut und mit ihr die Heilpädagogisch-Therapeutische Ambulanz in der Weberstraße 20 in Nürtingen neue Praxisräume gefunden.

Seit Dezember 2012 finden nun alle Beratungen und Therapien in der "Alte Seegrasspinnerei", Plochinger Str. 14, 72622 in Nürtingen statt.

Die Telefonnummer blieb immer die 07022 55505!

 

 

 

Im Sommer 2010 bekam das Institut sein aktuelles Logo und im Frühjahr 2012 die Ambulanz - zum 25 Jährigen Bestehen - seinen ersten Flyer!